Prebischtor und Edmundsklamm: Touristenziel, und jeden Schritt wert
Jahrelang auf der Liste. Diesmal haben wir es geschafft.

- Kommt am Nachmittag. Wir waren um dreizehn Uhr da, als der Vormittagsandrang durch war, und standen an keiner einzigen Stelle an.
- Holt das Klamm-Ticket zuerst. Es gibt sie nur vor Ort und zu festen Zeiten. Um kurz vor sechs hing das Schild „ausverkauft“.
- Rechnet mit rund 50 Euro zu zweit für Parken, Bus, Eintritt und Klammfahrt, dazu sechs Stunden Zeit.
- Feste Schuhe sind Pflicht. Eine Stunde bergauf zum Tor, dazu ein Kilometer zu Fuß in der Klamm.
Wie wir hingekommen sind
Manche Orte stehen jahrelang auf der Liste. Man redet darüber, man nimmt es sich vor, und dann kommt wieder etwas dazwischen. Beim Prebischtor war das bei uns genau so. Diesmal haben wir es endlich geschafft.
Die Kinder haben wir zu Hause gelassen. Wir wollten diesen Weg einmal zu zweit gehen, in unserem Tempo, ohne nach dreißig Minuten die Frage zu hören, wie weit es denn noch ist. Wer Kinder hat, weiß, welche Frage gemeint ist. Beim nächsten Mal nehmen wir sie mit. Nach diesem Tag sind wir sicher: Genau hier gehören sie hin.
Gegen dreizehn Uhr kommen wir in Hřensko an. Die Parkplätze sind zu fünfundneunzig Prozent voll, die Sonne steht hoch, und man sieht auf den ersten Blick: Heute sind viele Menschen hier. An der Straße verkaufen Leute Parktickets, zehn Euro das Stück. Wo früher kleine Läden mit Kleinkram standen, wird heute Parkraum vermietet.
Wir gehen zuerst hinunter zur Klamm und holen uns dort das Ticket. Halb fünf ist die nächste freie Zeit. Damit steht der ganze Tag: dreieinhalb Stunden, um zum Prebischtor hinauf und wieder zurück zu kommen.
Ein kurzer Halt an der Toilette, und als wir herauskommen, steht der Bus schon da. Mit Karte bezahlt, eingestiegen, dreizehn Minuten später sind wir oben an der Haltestelle. Dreizehn Uhr dreizehn.
(Dass das Busticket zeitlich begrenzt gilt und die Rückfahrt nicht einschließt, merken wir erst am Nachmittag.)
Der Weg nach oben
Von der Haltestelle bis zum Tor läuft man gut eine Stunde, stetig bergauf. Die Sonne steht hoch, der Rücken ist nach zehn Minuten klatschnass. Im Rucksack haben wir ein Baguette, zwei Eier, reichlich Weintrauben und genug zu trinken. Dazu zwei Mandarinen, die nicht geschmeckt haben.
Auf halber Strecke kommt uns jemand in Badelatschen entgegen. Wir schauen uns an und denken beide dasselbe. Wie weit kommt der wohl noch?
Was uns auf diesem Weg am meisten beschäftigt, ist der Wald. Man sieht, wie schwer er die letzten Jahre hatte. Kahle Stellen, tote Stämme, weite Sicht dort, wo eigentlich Wald stehen sollte. Und dann, direkt daneben, junge Birken. Dicht, hellgrün, überall. Aus kargem Boden wird langsam wieder feuchtes Grün. Das ist schön und traurig zugleich, und beides stimmt.
Und noch etwas fällt auf. Uns kommen die ganze Zeit Menschen entgegen, die schon wieder hinuntergehen. Viele. Immer mehr, je höher wir kommen.
Eine Stunde bergauf
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Oben
Am Eintritt keine Schlange. Wir zahlen vor Ort, fünf Euro je Erwachsenem, und gehen durch.
Dann steht man da und kann eigentlich nicht viel mehr sagen als: Was für ein Ausblick.
Wir waren schon auf einigen Bergen. Lilienstein, Königstein, dazu einiges andere auf beiden Seiten der Grenze. Wer lieber im Wald bleibt: Unser Sonntag im Wichtelwald war das genaue Gegenteil von diesem Tag. Hier ist es die Weite, die anders ist. Der Blick geht hinaus, und es steht nichts mehr davor. Nichts, was ihn bricht.
Ehrlich gesagt gehört noch etwas dazu. Das hier ist ein Ort, an dem sehr viele Menschen sind, so viele wie an der Bastei-Brücke drüben auf der sächsischen Seite. Wer die stille Runde durch den Wald sucht, ist auf dem Weg zum Prebischtor schlecht beraten. Wir wussten das vorher, deshalb hat es uns nichts ausgemacht. Aber gesagt sein soll es.
Und damit zurück zu den vielen Menschen, die uns beim Aufstieg entgegenkamen. Die waren alle am Vormittag oben. Fast jeder fährt früh los, der Gedanke liegt ja nahe: früh da sein, dann ist man vorn. Nur denken das eben fast alle. Wir kamen um dreizehn Uhr, als der Vormittag durch war. Volle Parkplätze, sichtbar viele Menschen, und trotzdem an keiner einzigen Stelle eine Schlange. Nicht am Bus, nicht am Eintritt, nicht an der Klamm. Das war reines Glück. Beim nächsten Mal ist es Absicht.
Oben gibt es alles, was man braucht. Etwas zu essen, etwas zu trinken, Bänke, mehrere Aussichtspunkte. Der Wind kommt um die Ecke, und nach einer Stunde Aufstieg ist einem kurz richtig kalt.
Über allem steht der Bogen, über den seit den achtziger Jahren niemand mehr geht. So viele Schritte hatten sich in den Sandstein gegraben, dass eine Rinne entstand, die stellenweise sechzig Zentimeter tief war. Seitdem schaut man ihn an, statt auf ihm zu stehen. Uns hat das kein Stück gefehlt.
Was für ein Ausblick
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Der Bus fährt um sechzehn Uhr neun
Um drei müssen wir los. Um vier an der Haltestelle, viertel nach vier vorn an der Klamm, fünfzehn Minuten Puffer bis zu unserer Fahrt.
Was in diesem Plan fehlte: Wir hatten nirgends nachgesehen, wann der Bus überhaupt fährt.
Er fährt um sechzehn Uhr neun. Und er kommt zu spät. Dann lässt der Fahrer sich beim Losfahren auch noch reichlich Zeit. Die letzten Meter zur Anlegestelle gehen wir deutlich zügiger, als uns lieb ist.
Um halb fünf stehen wir da. Pünktlich.
In der Edmundsklamm
Karte vorzeigen, und los geht es. Wir sind fünfundzwanzig Menschen in einer Gruppe, geführt, mit festem Zeitplan.
Was wir nicht auf dem Schirm hatten: Man läuft. Und zwar nicht hundert Meter, sondern gut einen Kilometer, bevor es überhaupt aufs Wasser geht. Mit dem Prebischtor in den Beinen merkt man jeden einzelnen davon.
Dann sitzt man im Kahn. Links Fels, rechts Fels, oben ein schmaler Streifen Himmel. Vorne stakt jemand.
Es ist die meiste Zeit still, und genau das macht diese Fahrt aus. Nur unser Kahnführer, ein ausgesprochen lustiger Zeitgenosse, erklärt uns zwischendurch auf Tschechisch, welche großartigen Gestalten wir in den Felsen erkennen sollen. Danach übersetzt er das Ganze noch ein bisschen ins Deutsche. Verstanden haben wir vermutlich die Hälfte. Gelacht haben wir trotzdem.
Und dann sieht man etwas, das man in solchen Schluchten selten sieht. Es liegt kein Müll herum. Keine abgerissenen Zweige, keine eingeritzten Namen, nichts, was im Wasser treibt. Es sieht so aus, wie man sich unberührte Natur vorstellt.
Genau an dieser Stelle zeigt die Führung ihren Sinn. Ja, man ist zu fünfundzwanzig unterwegs und wird zügig nach hinten durchgereicht. Allein im Kahn wäre es schöner. Aber dann wären wir bei der Frage, wer hinterher seinen Müll wieder mitnimmt und wer nicht. Und die Antwort darauf steht oben am Tor, in einer sechzig Zentimeter tiefen Rinne.
Uns hat die Lösung, die wir hier gesehen haben, gut gefallen.
Links Fels, rechts Fels
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Um kurz vor sechs kommen wir an der Anlegestelle wieder vorbei. Dort hängt jetzt ein Schild. Die Klamm ist für heute ausverkauft. Wir hatten unser Ticket um kurz nach eins geholt, ohne zu ahnen, dass das die eigentlich wichtige Entscheidung des Tages war.
Gegen sieben, nach dem Abendessen, fahren wir los.
Ausverkauft, und dann Abendessen
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Praktische Infos
- Wo: Hřensko, Böhmische Schweiz, Tschechien. Die andere Hälfte des Elbsandsteingebirges, rund eine Stunde ab Dresden
- Wann losfahren: Wir waren um dreizehn Uhr da und standen nirgends an. Der Vormittag ist die volle Zeit
- Parken: 10,00 Euro
- Bus zur Haltestelle am Tor: rund 1,50 bis 2,00 Euro je Fahrt, Zahlung mit Karte möglich, Fahrtzeit 13 Minuten. Das Ticket gilt zeitlich begrenzt und schließt die Rückfahrt nicht ein. Die Abfahrtszeiten vorher nachsehen, es fährt nicht ständig etwas
- Zu Fuß zum Tor: gut eine Stunde ab Haltestelle, stetig bergauf. Wer möchte, läuft auch die ganze Strecke ab Hřensko
- Eintritt Prebischtor: 5,00 Euro je Erwachsenem, Toilette dort im Eintritt enthalten. Online buchbar, das hilft bei Andrang
- Edmundsklamm: knapp 16,00 Euro. Tickets gibt es nur vor Ort, zu festen Zeiten. Als Erstes holen, dann steht der Tag
- Dauer Edmundsklamm: rund 1 Stunde 20. Darin gut ein Kilometer zu Fuß, bevor es aufs Wasser geht
- Gruppengröße: 25 Personen mit Führung
- Toilette sonst: 1,00 Euro
- Ganzer Tag: dreizehn bis neunzehn Uhr, mit Abendessen
- Was mitbringen: feste Schuhe. Genug zu trinken. Etwas zu essen, wenn Du oben nicht kaufen willst. Etwas Warmes für oben, dort kommt der Wind um die Ecke
- Mit Kindern: Wir waren zu zweit unterwegs, sagen aber klar: Hier lohnt es sich mit Kindern. Der Kahn, die Felsentunnel und das Tor sind genau die Art von Ort, an dem Kinder große Augen machen. Was sie schaffen müssen: eine Stunde bergauf zum Tor, dazu gut einen Kilometer in der Klamm. Wer sich das mit den eigenen Kindern zutraut, sollte hin
- Was zuhause lassen: den Ehrgeiz, der Erste zu sein
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Am Ende war die Antwort nämlich ziemlich kurz. Ein Baguette, zwei Eier, Weintrauben. Genug zu trinken. Feste Schuhe. Und ein Ort, den wir jahrelang vor uns hergeschoben hatten.
Die Mandarinen hätten wir uns sparen können.
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