Prebischtor und Edmundsklamm: oben die Weite, unten der Kahn
Ein Baguette, zwei Eier, feste Schuhe. Und ein Ort, den wir zu lange vor uns hergeschoben hatten.
Wir sind erst kurz vor eins in Hřensko angekommen, als die meisten schon wieder vom Prebischtor herunterkamen, und haben genau deshalb den ganzen Tag an keiner einzigen Stelle angestanden.

Wie wir hingekommen sind
Manche Orte stehen jahrelang auf der Liste, man redet darüber, nimmt es sich immer wieder vor, und dann kommt doch wieder etwas dazwischen. Beim Prebischtor ging es uns ganz genau so, und diesmal haben wir es endlich geschafft.
Die Kinder sind dieses Mal zu Hause geblieben, weil wir diesen Weg einmal zu zweit gehen wollten, in unserem eigenen Tempo und ohne nach dreißig Minuten die Frage zu hören, wie weit es denn noch ist. Wer Kinder hat, weiß genau, welche Frage gemeint ist. Beim nächsten Mal nehmen wir sie mit, denn nach diesem Tag sind wir sicher, dass sie genau hierher gehören.
Gegen 12:40 Uhr sind wir in Hřensko angekommen. Die Parkplätze waren zu 95 Prozent belegt, die Sonne stand hoch, und man hat auf den ersten Blick gesehen, dass heute sehr viele Menschen hier sind. An der Straße verkaufen Leute Parkscheine für zehn Euro das Stück, und wo früher kleine Läden mit allerlei Kleinkram standen, wird heute Parkraum vermietet.
Zuerst sind wir hinunter zur Klamm gegangen und haben uns dort unsere Karten geholt. Die nächste freie Fahrt war um halb fünf, und damit stand der ganze Tag: dreieinhalb Stunden, um hinauf zum Prebischtor und wieder zurückzukommen.
Wie es der Zufall so will, stand der Bus schon da, als wir nach einem kurzen Halt an der Toilette wieder herauskamen. Wir haben mit Karte bezahlt, sind eingestiegen und waren dreizehn Minuten später oben an der Haltestelle, genau um 13:13 Uhr.
(Dass der Busfahrschein nur eine bestimmte Zeit gilt und die Rückfahrt nicht einschließt, haben wir übrigens erst am Nachmittag gemerkt.)
Der Weg nach oben
Von der Haltestelle bis zum Tor läuft man gut eine Stunde, und zwar stetig bergauf. Die Sonne stand hoch, und nach zehn Minuten war der Rücken klatschnass. Im Rucksack hatten wir ein Baguette, zwei Eier, reichlich Weintrauben und genug zu trinken, dazu zwei Mandarinen, die uns leider nicht geschmeckt haben.
Auf halber Strecke kam uns jemand in Badelatschen entgegen, wir haben uns angeschaut und beide dasselbe gedacht: Wie weit kommt der wohl noch?
Am meisten beschäftigt hat uns auf diesem Weg aber der Wald. Man sieht, wie schwer er es in den letzten Jahren hatte, mit kahlen Stellen, toten Stämmen und weiter Sicht dort, wo eigentlich Wald stehen sollte. Direkt daneben wachsen junge Birken nach, dicht und hellgrün und wirklich überall. Aus dem kargen Boden wird langsam wieder feuchtes Grün, und das ist schön und traurig zugleich.
Noch etwas ist uns auf dem Weg aufgefallen: Die ganze Zeit kamen uns Menschen entgegen, die schon wieder auf dem Rückweg waren, und je höher wir kamen, desto mehr wurden es.
Eine Stunde bergauf
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Oben am Tor
Am Eintritt gab es keine Schlange, wir haben vor Ort fünf Euro je Erwachsenem bezahlt und sind durchgegangen. Dann stehst Du da oben und kannst eigentlich nicht viel mehr sagen als: Was für ein Ausblick.
Wir waren schon auf einigen Bergen, auf dem Lilienstein, auf dem Königstein und auf so manchem anderen auf beiden Seiten der Grenze. Hier ist es die Weite, die den Unterschied macht, denn der Blick geht hinaus, und es steht nichts mehr davor, was ihn bricht. Wer lieber im Wald bleibt, findet in unserem Sonntag im Wichtelwald das genaue Gegenteil von diesem Tag.
Ehrlich gesagt gehört aber noch etwas dazu. Am Prebischtor sind sehr viele Menschen unterwegs, ungefähr so viele wie an der Bastei-Brücke drüben auf der sächsischen Seite, und wer die stille Runde durch den Wald sucht, ist hier schlecht beraten. Wir wussten das vorher, deshalb hat es uns nichts ausgemacht, aber gesagt sein soll es trotzdem.
Damit zurück zu den vielen Menschen, die uns beim Aufstieg entgegengekommen sind, denn die waren alle schon am Vormittag oben. Fast jeder fährt früh los, weil der Gedanke so naheliegt, dass man vorn ist, wenn man nur früh genug da ist, und genau das denken eben fast alle. Wir kamen erst kurz vor eins, als der Vormittag durch war, und haben trotz voller Parkplätze an keiner einzigen Stelle angestanden, weder am Bus noch am Eintritt noch an der Klamm. Diesmal war das reines Glück, beim nächsten Mal machen wir es mit Absicht so.
Oben gibt es alles, was man braucht, etwas zu essen und zu trinken, Bänke und mehrere Aussichtspunkte. Der Wind kommt um die Ecke, und nach einer Stunde Aufstieg ist einem kurz richtig kalt.
Über allem steht der Bogen, über den seit 1982 niemand mehr gehen darf. So viele Schritte hatten sich in den Sandstein gegraben, dass eine Rinne entstanden war, stellenweise bis zu 60 Zentimeter tief. Seitdem schaut man ihn von den Aussichtspunkten aus an, statt auf ihm zu stehen, und uns hat das kein Stück gefehlt.
Quelle zur Sperrung und zur Rinne: elbelabe.eu, abgerufen am 29.08.2026
Was für ein Ausblick
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Der Bus fährt um 16:09 Uhr
Um drei mussten wir wieder los, und der Plan dafür stand: um vier an der Haltestelle, um Viertel nach vier vorn an der Klamm und dann noch fünfzehn Minuten Luft bis zu unserer Fahrt. Was in diesem Plan fehlte, war ein Blick auf den Fahrplan, denn wir hatten nirgends nachgesehen, wann der Bus überhaupt fährt.
Er fuhr um 16:09 Uhr, kam zu spät, und beim Losfahren hat sich der Fahrer dann auch noch reichlich Zeit gelassen. Die letzten Meter zur Anlegestelle sind wir deutlich zügiger gegangen, als uns lieb war, und um halb fünf standen wir dann doch pünktlich da.
In der Edmundsklamm
Wir haben unsere Karten vorgezeigt, und dann ging es los, in einer geführten Gruppe mit 25 Menschen und festem Zeitplan.
Was wir nicht auf dem Zettel hatten: Man läuft, und zwar nicht hundert Meter, sondern gut einen Kilometer, bevor es überhaupt aufs Wasser geht, und mit dem Prebischtor in den Beinen merkst Du jeden einzelnen Meter davon.
Dann sitzt Du im Kahn, links Fels, rechts Fels, oben ein schmaler Streifen Himmel, und vorne steht jemand und stakt.
Die meiste Zeit ist es still, und genau das macht diese Fahrt aus. Nur unser Kahnführer, ein ausgesprochen lustiger Zeitgenosse, hat uns zwischendurch auf Tschechisch erklärt, welche großartigen Gestalten wir in den Felsen erkennen sollen, und das Ganze danach noch ein bisschen ins Deutsche übersetzt. Verstanden haben wir vermutlich die Hälfte, gelacht haben wir trotzdem.
Dann ist uns etwas aufgefallen, das man in solchen Schluchten selten sieht, nämlich dass hier kein Müll herumliegt. Es gibt keine abgerissenen Zweige und keine eingeritzten Namen, im Wasser treibt nichts, und alles sieht so aus, wie man sich unberührte Natur vorstellt.
Genau an dieser Stelle zeigt die Führung ihren Sinn. Ja, man ist zu 25 unterwegs und wird zügig nach hinten durchgereicht, und allein im Kahn wäre es sicher schöner. Dann wären wir aber wieder bei der Frage, wer hinterher seinen Müll mitnimmt und wer nicht, und die Antwort darauf steht oben am Tor, in einer bis zu 60 Zentimeter tiefen Rinne. Uns hat die Lösung, die wir hier gesehen haben, gut gefallen.
Ihren Namen hat die Klamm übrigens von Fürst Edmund Clary-Aldringen, der die Schluchten im 19. Jahrhundert zugänglich gemacht und 1881 auch das Falkennest unter dem Prebischtor bauen lassen hat. Die beiden Orte unseres Tages gehören also schon seit rund 150 Jahren zusammen.
Quelle: elbelabe.eu, abgerufen am 29.08.2026
Links Fels, rechts Fels
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Um kurz vor sechs sind wir an der Anlegestelle noch einmal vorbeigekommen, und siehe da, dort hing jetzt ein Schild, dass die Klamm für heute ausverkauft ist. Wir hatten unsere Karten um kurz nach eins geholt, ohne zu ahnen, dass das die wichtigste Entscheidung des ganzen Tages war.
Nach dem Abendessen sind wir gegen 19 Uhr zurückgefahren.
Ausverkauft, und dann Abendessen
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Praktische Infos
- Wo: Hřensko, Böhmische Schweiz, Tschechien. Die andere Hälfte des Elbsandsteingebirges, rund eine Stunde ab Dresden
- Wann losfahren: Wir waren gegen 12:40 Uhr da und standen nirgends an. Der Vormittag ist die volle Zeit
- Parken: 10,00 Euro
- Bus zur Haltestelle am Tor: rund 1,50 bis 2,00 Euro je Fahrt, Zahlung mit Karte möglich, Fahrtzeit 13 Minuten. Der Fahrschein gilt zeitlich begrenzt und schließt die Rückfahrt nicht ein. Die Abfahrtszeiten vorher nachsehen, es fährt nicht ständig etwas
- Zu Fuß zum Tor: gut eine Stunde ab Haltestelle, stetig bergauf. Wer möchte, läuft auch die ganze Strecke ab Hřensko
- Eintritt Prebischtor: 5,00 Euro je Erwachsenem, Toilette dort im Eintritt enthalten. Online buchbar, das hilft bei Andrang
- Edmundsklamm: knapp 16,00 Euro je Person. Karten gibt es nur vor Ort, zu festen Zeiten. Als Erstes holen, dann steht der Tag. Bei uns war die Klamm um kurz vor sechs ausverkauft
- Dauer Edmundsklamm: rund 1 Stunde 20. Darin gut ein Kilometer zu Fuß, bevor es aufs Wasser geht
- Gruppengröße: 25 Personen mit Führung
- Toilette sonst: 1,00 Euro
- Ganzer Tag: 13 bis 19 Uhr, mit Abendessen
- Was mitbringen: feste Schuhe. Genug zu trinken. Etwas zu essen, wenn Du oben nicht kaufen willst. Etwas Warmes für oben, dort kommt der Wind um die Ecke
- Mit Kindern: Wir waren zu zweit unterwegs, sagen aber klar: Hier lohnt es sich mit Kindern. Der Kahn, die Felsentunnel und das Tor sind genau die Art von Ort, an dem Kinder große Augen machen. Was sie schaffen müssen: eine Stunde bergauf zum Tor, dazu gut einen Kilometer in der Klamm. Wer sich das mit den eigenen Kindern zutraut, sollte hin
- Was zu Hause lassen: den Ehrgeiz, der Erste zu sein
Warum wir das auf wasbraucheich.de teilen
Auf unserer Seite gibt es eine ganze Welt, in der wir nichts verdienen. Sie heißt „Was brauche ich wirklich“, und dieser Tag gehört genau dorthin.
Am Ende war die Antwort auf diese Frage nämlich ziemlich kurz: ein Baguette, zwei Eier, Weintrauben und genug zu trinken, dazu feste Schuhe und ein Ort, den wir jahrelang vor uns hergeschoben hatten. Die Mandarinen hätten wir uns sparen können.
Mitgenommen haben wir noch etwas anderes, das nichts gekostet hat. An einem einzigen Tag haben wir zweimal gesehen, was aus einem schönen Ort wird, je nachdem, wie viele Menschen ihn betreten dürfen: Am Tor ist es eine Rinne im Sandstein geworden, in der Klamm ein sauberer Bach. Das ist kein Vorwurf an irgendwen, sondern genau die Art Erfahrung, die wir hier sammeln und teilen wollen.
Wer es lieber ruhiger mag, dem legen wir Zirkelstein und Kaiserkrone bei Schöna ans Herz. Zwei Wochen nach diesem Tag standen wir dort oben, auf der sächsischen Seite, und haben vom Gipfel aus das Prebischtor am Horizont gesehen, mit deutlich weniger Betrieb um uns herum.
Deshalb unsere herzliche Einladung: Fahr hin, am besten am Nachmittag, hol Dir als Erstes Deine Karten für die Klamm, und wenn Du Kinder hast, nimm sie mit.
Wenn Du in Deiner Region einen Ort kennst, der so einen Tag hergibt, dann schreib uns. Wir nehmen ihn auf, mit Deinem Namen oder anonym, und so entsteht nach und nach eine Sammlung, die von Menschen kommt statt von einer Werbeliste.
Was uns sonst noch berührt hat
Echte Erlebnisse, die wir teilen: von uns, aus unserer Gemeinschaft, aus Deiner Nachbarschaft.

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