Wichtelwald Dippoldiswalde: Ein Sonntag, der bleibt
Ein Bekannter sagte nur: geh da mal hin. Mehr Beschreibung gab es nicht.

- Kostet nichts und ist immer offen. Kein Eintritt, keine Anmeldung, keine Saison.
- Hunderte kleine Wichtelwelten stehen von Hand gebaut am Wegrand, mit Türen, Briefkästen und Leitern.
- Kinder dürfen mitbauen. Das macht aus dem Anschauen ein Mitmachen.
- Jeder Besuch ist anders, weil Wetter und andere Besucher die Welten ständig verändern.
Wie wir hingekommen sind
Die schönsten Tipps bekommt man nicht aus einer Suchmaschine. Man bekommt sie von jemandem, der selbst dort war.
Uns hatte ein Bekannter vom Wichtelpfad in der Dippoldiswalder Heide erzählt, irgendwo zwischen Dresden und Tharandt. „Geh da mal hin“, hieß es, „ihr werdet es lieben.“ Mehr Beschreibung gab es nicht. Kein Bild, kein Link, keine Öffnungszeiten. Genau so, wie wir es mögen.
Wir sind an einem Sonntag hingefahren. Mit der ganzen Familie, mit einer Decke im Auto, ohne festen Plan. Wir wussten nicht, was uns erwartet, und wollten es auch nicht vorher wissen.
Und kaum standen wir am ersten Schild mit der Aufschrift „Wichtelwald“, begann etwas, das wir lange vermisst hatten: echte Auszeit.
Was den Wichtelwald besonders macht
Man geht ein paar Schritte in den Wald hinein, und dann sieht man das erste. Ein Häuschen, keine dreißig Zentimeter hoch, an den Fuß eines Baumes gebaut. Daneben ein Briefkasten. Ein Stück weiter eine kleine Tür in einem Baumstamm, als würde dahinter tatsächlich jemand wohnen.
Und dann sieht man das nächste. Und das übernächste.
Es sind Wichtel-Figuren aus Moos auf kleinen Stöcken, Zäune, Leitern, Dächer aus Rinde. Alles von Hand gebaut, und man sieht jedem Stück an, dass sich jemand Zeit dafür genommen hat. Da hat niemand schnell etwas hingestellt. Da haben Menschen mit erkennbarer Freude kleine Welten in den Wald gezaubert.
Das Zweite, was uns gefallen hat: Es kostet nichts und es hat keine Öffnungszeiten. Kein Kassenhäuschen, keine Anmeldung, keine Saison. Man geht einfach hin, schaut, macht mit. Tag und Nacht, das ganze Jahr.
Und das Dritte, das uns am meisten überrascht hat: Es ist bei jedem Besuch anders. Wind und Wetter verändern die Wichtel-Welten ständig. Neue kommen dazu, alte werden moosig und wachsen langsam in den Waldboden hinein. Wer im Frühjahr da war, findet im Herbst etwas anderes vor.
Was zwischen den Bäumen steht
8 Bilder
Was die Kinder daraus gemacht haben
Die Kinder rannten von Häuschen zu Häuschen. Kein Ziehen, kein „wie weit ist es noch“, keine Langeweile. Worum es hier geht, hatten sie sofort verstanden: Man muss suchen.
Wir Erwachsenen gingen langsam hinterher. Beobachteten, staunten, atmeten Wald.
Und dann kam der Moment, an dem aus dem Anschauen ein Mitmachen wurde. Denn man darf hier bauen. Tannenzapfen sammeln, Rinde suchen, Moos zurechtlegen und daneben eine eigene kleine Wichtel-Behausung anlegen. Niemand fordert das ein, es steht auf keinem Schild. Die Atmosphäre lädt einfach dazu ein, und irgendwann kniet die ganze Familie im Laub und sucht nach dem passenden Stöckchen.
Das ist der Punkt, an dem so ein Ort etwas anderes wird als ein Ausflugsziel. Man schaut ihn nicht nur an. Man lässt etwas da.
Praktische Infos
- Wo: Dippoldiswalder Heide, Sachsen, zwischen Dresden und Tharandt
- Anfahrt: Mit dem Auto bis Dippoldiswalde, dann den Schildern des Sachsenforsts mit der Aufschrift „Wichtelwald“ folgen
- Zugang: frei, ganzjährig, ohne Anmeldung. Tag und Nacht
- Eintritt: kostenlos
- Dauer: ganz flexibel, eine bis vier Stunden, je nach Tempo und Entdeckerfreude
- Für Familien: Kinder jeden Alters. Die Wege sind gut, deshalb geht es auch mit Senioren
- Hund erlaubt: ja
- Was mitbringen: bequeme Schuhe, eine Decke, ein Picknick und vor allem Zeit
- Was zuhause lassen: Eile und Termindruck. Das Handy darf in der Tasche bleiben
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Uns sind Orte lieber, die uns ein Mensch ans Herz gelegt hat, mit einer Begründung, warum. Nicht die polierten Listen aus dem Netz, in denen zehn Ziele stehen und man am Ende nicht weiß, ob jemand auch nur eines davon selbst gesehen hat.
Bei uns hat es genau einen Satz gebraucht: „Geh da mal hin, ihr werdet es lieben.“ Der kam von einem Menschen, der dort war. Deshalb sind wir gefahren.
Ganz anders als unser Tag am Prebischtor, wo alles getaktet war. Und am Ende war die Antwort auf die Frage, was wir für diesen Sonntag wirklich gebraucht haben, ziemlich kurz. Eine Decke, ein Picknick, feste Schuhe. Und einen Wald, in dem jemand kleine Türen an die Bäume gebaut hat.
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