Sophienheilstätte bei Bad Berka: ein Nachmittag in der Hustenburg
Vier Stockwerke, ein Keller ohne Licht und ein Haus, in dem schon 1898 Männer aus Thüringens Fabriken Luft holten.
Am Freitag stand dieses Haus noch auf keinem unserer Pläne, und am Samstag waren wir vom Keller bis unters Dach darin unterwegs.

Wie wir hingekommen sind
Wir haben das Wochenende in Weimar bei Mandy verbracht, in einer wunderschönen Dachgeschosswohnung, die wir nur weiterempfehlen können. Beim Gespräch am Freitag ging es darum, was wir am Wochenende so vorhaben, und wir erzählten, dass wir uns am Samstag Buchenwald anschauen wollten. Da kam die Empfehlung, dass es, wenn wir uns schon für Geschichte interessieren, einen viel spannenderen Ort gibt: Schaut Euch doch mal die alte Sophienheilstätte bei Bad Berka an. Also haben wir gleich nachgeschaut, wie man da überhaupt hineinkommt.
Die Zeiten, in denen man den sogenannten Lost Place auf eigene Faust und ganz geheimnisvoll erkunden konnte, sind nämlich leider vorbei. Das Haus gehört jemandem, das Gelände ist videoüberwacht, und hinein kommt man nur zu bestimmten Zeiten, bei Führungen, Veranstaltungen oder auf Anfrage sogar zum Zelten über Nacht. Lustigerweise war aber genau an diesem Wochenende das „Münchener Gaudi“, bei dem man das Gelände ganz selbständig erkunden durfte. Wir haben sofort online zwei Karten zu je zehn Euro gebucht, und so ist aus dem Tipp vom Freitag am Ende genau unser Samstag geworden.
Quelle: Veranstalter, sophienheilstaette.com · laut Vermerk auf dem Plakat mit KI gestaltet
Den Samstag selbst haben wir dann ganz entspannt angehen lassen. Los ging es dort zwar schon um 12 Uhr, aber wir hatten einfach keine Lust, uns Stress zu machen, haben in Ruhe gefrühstückt und sind erst gegen 13 Uhr in Weimar losgekommen. Nach einem kurzen Halt in Bad Berka ging es die letzten Kilometer hinauf nach München, und wer jetzt stutzt: Der kleine Ortsteil, in dem die Heilstätte steht, heißt wirklich so, und wer das zum ersten Mal hört, muss schmunzeln.
Oben angekommen, kurz vor 14 Uhr, hat uns gleich das Erste überrascht, nämlich das Parken. Da hat jemand wirklich Organisationstalent bewiesen: Es war genau durchgeplant, wer wo zu parken hat, damit kein Chaos entsteht, und Leute vor Ort haben das ruhig und sinnvoll verteilt. Drei Euro haben wir dafür bezahlt, und die waren gut angelegt.
Ein paar Schritte weiter stehst Du dann vor diesem Haus, einem Fachwerkhaus, so lang, dass Du es mit einem Blick kaum erfasst.
Foto: Melly und Danilo, wasbraucheich.de
Vom Keller bis unters Dach
Drinnen war an diesem Tag im Erdgeschoss und in einigen Räumen Flohmarkt. Deswegen waren wir zwar nicht gekommen, gestört hat es aber auch nicht, denn das Haus ist so riesig, dass jeder seinen Platz fand: Wer stöbern wollte, hat gestöbert, und wer das Haus sehen wollte, ist weitergegangen.
Weitergehen heißt hier: vom Keller über das Erdgeschoss und zwei Etagen bis unters Dach. Im Keller ist es so dunkel, dass Du ohne Taschenlampe nicht weit kommst, und genau das macht ihn so spannend. Du leuchtest in einen Gang, dann in den nächsten, und weißt nie genau, was hinter der nächsten Tür liegt.
Oben unter dem Dach ist es dagegen hell, aber dort haben die Böden Löcher, und zwar keine kleinen Risse, sondern Löcher, durch die Du ein Stockwerk tiefer schaust. An manchen Stellen ist das schon grenzwertig, und Kinder würden wir hier nicht allein herumkriechen lassen, das kann auch mal nach hinten losgehen.
Das Gefühl, allein in einem verlassenen Haus zu sein, kam allerdings nicht auf. So ein verlassenes Haus lebt ja ein bisschen vom Gruseln, und dafür war zu viel los. Viele Menschen waren unterwegs, und etliche haben sich in den langen Fluren komplett verlaufen. Trotzdem hatten wir immer wieder Räume ganz für uns, und dann stehst Du da, kein Mensch, kein Geräusch, nur das Licht durchs Fenster, und siehst alles so, wie es vor vielen Jahren zurückgelassen wurde.
So, wie es zurückgelassen wurde
Unser ganzer Rundgang in 73 Fotos, vom Hof über den Keller bis unters Dach, in der Reihenfolge, in der wir sie gemacht haben. Zum Vergrößern antippen.
Die Menschen, die hier zu Hause waren
Das eigentliche Glück an diesem Tag war aber eine Begegnung. Gerade weil so viel los war, trifft man dort auch auf Menschen, die das Haus nicht aus dem Internet kennen, sondern aus ihrem eigenen Leben.
Oben unterm Dach stand eine Frau, die gerade jemand anderem erklärte, wo hier früher die Schwestern gewohnt haben. Sie wusste das so genau, weil ihre Mutter selbst Schwester in der Heilstätte war, zu DDR-Zeiten, irgendwann zwischen 1970 und 1990, und weil sie als Kind genau dort oben in einem dieser Zimmer geschlafen hat. Wir haben das mitbekommen, und es war wirklich spannend, jemanden kennenzulernen, der diesen Abschnitt des Hauses selbst erlebt hat.
So reicht die Erinnerung immerhin ein paar Jahrzehnte zurück. Was davor war, und erst recht, wie es ganz am Anfang aussah, als die Klinik gebaut wurde, konnte sie uns nicht mehr erzählen, und genau dieser Ursprung ist es, der uns immer am meisten interessiert.
Der Gedanke ist uns den ganzen Nachmittag nicht aus dem Kopf gegangen: Was war hier früher, und was war vor dem Früher? Zum Glück gibt es einen Mann, der die Anfänge aufgeschrieben hat, und mit ihm fangen wir an, in einem kleinen Zeitstrahl, der schon vor der Eröffnung beginnt.
128 Jahre in einem Haus
Er führt von den Hütten im Wald bis zum Flohmarkt im Erdgeschoss, und unter jeder Station steht, woher wir es wissen.
1888
Hütten im Wald, die keiner haben wollte
Die Geschichte beginnt ein paar Kilometer weiter, auf der Harth über Bad Berka. Dort ließ der Badearzt Ernst August Willrich einfache Holzhütten in den Wald stellen, nach drei Seiten offen. Lungenkranke schliefen darin an der frischen Luft. Es sprach sich herum, und es kamen immer mehr. Den Kurgästen in Berka war das nicht recht, die Bürger wehrten sich, und das Ministerium ließ die „Tuberkelbaracken“ wieder abreißen. Die große Heilstätte sollte woanders hin, „weiter von der Stadt entfernt“. So kam sie auf den Emskopf über dem Rittergut München.
Quelle: Ausstellungstafeln 04 und 05 der Zentralklinik Bad Berka
10. Oktober 1898
Eröffnung für 80 Männer
An einem Montag wurde die Sophienheilstätte feierlich eingeweiht, der Großherzog war dabei. Zwei Tage später kamen die ersten 33 Patienten. Platz war für etwa 80 Männer, in einem langen, zweistöckigen Bau. Frauen kamen in eine andere Heilstätte. Ihren Namen hat das Haus von Großherzogin Sophie, die es gestiftet hatte. Die Eröffnung hat sie nicht mehr erlebt, sie war im Jahr zuvor gestorben.
Quellen: Leipziger Tageblatt 12.10.1898 und Coburger Zeitung 15. und 23.10.1898 im Deutschen Zeitungsportal · F. R. Walters, Sanatoria for Consumptives, London 1899, S. 244 (Internet Archive)
Quelle: Postkarte 1898, gemeinfrei, Scan aus dem Antiquariatshandel (ZVAB)
Juni 1902
Ein Fabrikarbeiter schreibt alles auf
Moritz William Bromme ist 29 und hat nach 15 Jahren in der Fabrik Tuberkulose. Im Sommer 1902 kommt er für drei Monate hierher, und drei Jahre später schreibt er in seinen Lebenserinnerungen ein ganzes Kapitel über die Heilstätte. Den Abschied von zu Hause beschreibt er so:
„… dann bemerkte ich auch jedesmal meine Frau hinter den Gardinen, wie sie mir nachschaute, um mich noch ein letztes Mal zu sehen.“
Mit einer kleinen Bahn, von den Patienten „Pussel“ genannt, fährt er bis zur Haltestelle München. Dann geht es zehn Minuten bergauf, einen Weg, den sie den „Lungenpfeifer“ nennen. Und das Haus selbst? „Von den Patienten und dortigen Einwohnern wird sie einfach »Hustenburg« und die Insassen »Hustenburger« genannt.“
Der Tag ist streng geregelt. Um sechs Uhr aufstehen, dreimal am Tag Fieber messen, nach dem Mittag die große Liegekur in völliger Ruhe bis Viertel vor vier, abends noch einmal liegen bis neun, um zehn Uhr Licht aus. Jeder bekommt eine blaue Spuckflasche. Zum Liegen gibt es zehn offene Hallen im Wald, jede mit zwölf bis achtzehn Liegestühlen und mit eigenem Namen. Eine heißt „Waldfrieden“. Im Sommer liegt man unter drei bis vier Decken, im Winter unter fünf bis sechs.
„Und es ist in der Tat ruhig wie in einer Kirche, nur dann und wann hört man ein Hüsteln oder Räuspern.“
Nach gut zwölf Wochen untersuchen ihn die Ärzte und stellen „völlige Genesung“ fest. Zehn bis zwölf Wochen sah der Aufnahmeschein für so eine Kur vor, und auf der Tafel im Haus stehen sogar dreizehn. Ganz vorbei ist es damit nicht: 1904 und 1905 muss er noch zweimal wiederkommen.
Quelle: Moritz William Bromme, Lebensgeschichte eines modernen Fabrikarbeiters, Jena 1905, Kapitel „In der Lungenheilanstalt“, S. 293 bis 350, gemeinfrei (zeno.org)
Was wir gelernt haben
Luft, nicht Sonne
Wir hatten gedacht, die Kranken wurden hier in die Sonne gelegt, aber das stimmt so nicht. Bei der Lungentuberkulose war die frische Waldluft das Heilmittel. Die Patienten lagen gut eingepackt unter dem Dach der Hallen. Das richtige Sonnenbad auf nackter Haut kam aus der Schweiz und war vor allem für Tuberkulose an Knochen und Gelenken gedacht. Bromme erwähnt kein Sonnenbad. Genossen hat er die Sonne trotzdem:
„Immer von neuem berauschte ich mich an der schönen Natur, an dem Sonnenschein, an dem Ozonduft der Wälder. Es gab in ihnen Stellen, da ging die Lunge wie auf Sammet.“
Quellen: Bromme 1905, S. 307 · R. A. Hobday, Sunlight therapy and solar architecture, Medical History 1997 (Cambridge)
Liegen im Wald
Alte Postkarten, gemeinfrei. Zum Vergrößern antippen.
1911 und 1912
Das Haus wächst um zwei Stockwerke
Die Plätze reichen bald nicht mehr. Die Landesversicherungsanstalt Thüringen, die das Haus inzwischen übernommen hat, lässt es um zwei Etagen aufstocken. Jetzt gibt es 200 Betten. Seitdem steht das lange Fachwerkhaus auf seinem Sockel aus rotem Buntsandstein genau so da, wie wir es heute gesehen haben.
Quelle: Ausstellungstafel 09 der Zentralklinik Bad Berka
Quelle: Postkarte 1915, gemeinfrei, Scan aus dem Antiquariatshandel (ZVAB)
1916
Soldaten statt Fabrikarbeiter
Im Ersten Weltkrieg wird die Heilstätte gebraucht wie nie. Allein 1916 kommen 446 lungenkranke Soldaten. Danach fehlt es an Kohle und Verbandszeug, und manche Patienten brechen ihre Kur ab, weil zu Hause die Not zu groß ist.
Quelle: Ausstellungstafel 09 der Zentralklinik Bad Berka
Ab 1924
Röntgen und Operationssaal
1924 kommt ein junger Oberarzt, Adolf Tegtmeier. Aus der Liegekur wird nach und nach eine Klinik mit Röntgenapparat und Operationssaal, in der auch an der Lunge operiert wird. Tegtmeier leitet das Haus ab 1934 und bleibt bis 1967. Die Straße, an der die Heilstätte heute steht, trägt seinen Namen.
Quellen: Ausstellungstafel 13 der Zentralklinik Bad Berka · „Wer war wer in der DDR?“, Bundesstiftung Aufarbeitung
Quelle: Hansa Luftbild, Landesarchiv NRW, RW 0229 Nr. 31496, Deutsche Digitale Bibliothek, CC BY-SA 4.0
Die Heilstätte auf alten Postkarten
Vom ersten Bau bis zur Fliegeraufnahme, alle gemeinfrei und gescannt aus dem Antiquariatshandel. Zum Vergrößern einfach antippen.
1933 bis 1945
Eine Lücke, die wir ehrlich stehen lassen
Über diese Jahre haben wir kaum etwas Belastbares gefunden. Selbst die Ausstellung der Zentralklinik springt vom Kriegsbeginn direkt ins Jahr 1945. Was es im Netz dazu gibt, hängt an einer einzigen Quelle. Bevor wir etwas behaupten, lesen wir lieber erst das Buch, auf das sich alle berufen. Wenn wir mehr wissen, schreiben wir es hier dazu.
Quelle: Thüringer Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation, Geoportal Thüringen, dl-de/by-2-0
1945 bis 1993
Heilstätte 1 und die große Schwester
Nach dem Krieg gehört das Haus dem Land Thüringen, 1949 heißt es „Heilstätte 1 der Heilstätten Bad Berka“. Ab 1951 wird oben auf der Harth eine neue, große Klinik gebaut, die heutige Zentralklinik Bad Berka. Sie ist aus der Sophienheilstätte hervorgegangen. Das alte Haus bleibt noch Jahrzehnte eine Abteilung davon. In diese Zeit fallen auch die Kindheitserinnerungen der Frau, die wir unterm Dach getroffen haben.
Quelle: Ausstellungstafeln 10 bis 20 der Zentralklinik Bad Berka
31. Dezember 1993
Das Licht geht aus
Nach der Wende geht das Haus an seinen alten Eigentümer zurück, die Landesversicherungsanstalt. Die letzten Abteilungen ziehen um, die Rückgabe ist zum Jahresende abgeschlossen. „Seither steht das Gebäude leer.“ Es wird mehrfach verkauft, und Pläne gibt es viele, nur umgesetzt wird keiner.
Quelle: Ausstellungstafel 26 der Zentralklinik Bad Berka
Heute
Ein Denkmal, das man wieder betreten darf
Die Sophienheilstätte steht als Einzeldenkmal in der Denkmalliste des Weimarer Landes. Hinein kommt man nur bei Führungen und Veranstaltungen, so wie wir an diesem Samstag. Gekauft haben es inzwischen Menschen aus der Region. Wer heute durch die leeren Flure geht, läuft dort, wo vor über hundert Jahren Männer wie Bromme wieder Luft holen durften.
Quellen: Denkmalliste Kreis Weimarer Land, S. 47 · sophienheilstaette.com · Gespräch mit einem Mitarbeiter vor Ort, 3. Oktober 2026
Foto: Melly und Danilo, wasbraucheich.de
Zwei Marken, zwei Fenster und die besten Pommes
Nach so viel Geschichte hat uns kurz vor dem Gehen dann der Hunger gepackt, und das Essen lief ein bisschen anders als gedacht: Erst kaufst Du an einem Stand Deine Marken, dann gehst Du mit der einen Marke an das Fenster für die Bratwurst und mit der anderen ein paar Meter weiter an das Fenster für die Pommes.
Wir haben uns kurz gewundert, aber am Ende hatte es sogar etwas für sich: Bis wir am zweiten Fenster waren, war die Bratwurst aufgegessen und die Hand frei für die Tüte. Die Pommes waren übrigens 1A, das kann man ganz klar so sagen.
Während wir die Pommes gegessen haben, sind wir mit einem der Mitarbeiter ins Gespräch gekommen, und der hat uns ein bisschen erzählt, wie es um das Haus gerade steht. Gekauft haben es Menschen aus der Region, und Pläne gibt es viele, nur ist es eben schwierig, so ein riesiges Gelände mit dem ganzen Wald und diesem Gebäude wirklich instand zu halten. Im Moment klappt es gerade so, dass alles erhalten bleibt, und für weitere Konzepte müsste einfach noch deutlich mehr Geld hinein.
Selbst die Investoren standen an diesem Tag mit da und haben beim Kesselgulasch mit angepackt, und da merkst Du, wie nahbar die Menschen dort sind. Genau das hat uns an diesem Ort gefallen, und deshalb erwähnen wir es hier auch so deutlich.
So gut das Parken am Anfang geklappt hat, so plötzlich war am Ende die Versorgung vorbei: Um 17 Uhr gingen oben die Luken der Gastro zu, und danach gab es dort nichts mehr zu essen und zu trinken. Weggeschickt hat uns niemand, aber angesetzt war der Tag oben eben bis 17 Uhr, und unten im Sophienhof sollte es erst um 18 Uhr weitergehen. Eine kleine Übergangszeit hätten wir uns da gewünscht, dann wären wir bestimmt noch länger geblieben. Eine Stunde ohne Essen und Trinken zu überbrücken, bis unten geöffnet wird, darauf hatten wir aber keine Lust, und so haben wir nach einem richtig schönen Nachmittag beschlossen, den Abend ganz anders zu verbringen.
Und dann noch ein Abend in Weimar
Wie es der Zufall so will, oder wie das Schicksal entschieden hat, sind wir dann ganz spontan und auf gut Glück zu jemandem in Bad Berka in den Garten gefahren, und er war natürlich da. Wir haben ein bisschen geschwatzt und dabei mal wieder in Sachen Pflanzenkunde etwas dazugelernt, zwischen Amarant und den letzten Sonnenblumen. Nach drei Stunden in einem leeren Haus tat das richtig gut.
Abends in Weimar sind wir dann mitten in die Wiedereröffnung des Stadtschlosses geraten, und siehe da: Eintritt frei, der Hof grün und lila beleuchtet, DJs auf der Bühne, die Ausstellung geöffnet und überall etwas zum Naschen oder ein Kaffee. Das haben wir dankend angenommen. Den Kaffee hatte der Chef von Tooby’s, einer kleinen Rösterei aus Berlstedt bei Weimar, am Morgen selbst geröstet, gemahlen wird frisch an der Siebträgermaschine, und der war richtig, richtig lecker. Am Ende war alles genau so, wie es sein sollte, und wir sind genau dahin gekommen, wo es uns hinverschlagen sollte.
Danach haben wir uns treiben lassen und sind gemütlich durch die kleinen, verwinkelten Gassen mit ihren alten Häusern spaziert. Das ist ganz anders als bei uns in Dresden, wo es dieses Verwinkelte so nicht mehr gibt, oder vielleicht auch nie gab.
Das i-Tüpfelchen für den Ausklang war um 22 Uhr das Essen bei Thai Moon: ein Teller Thai Tapas für 34,90 Euro, der für uns beide gereicht hat und auf dem von vorne bis hinten alles geschmeckt hat. Regional ist das nicht, aber unfassbar gut.
Garten, Schloss und ein Abend in Weimar
Zum Vergrößern antippen.
Geplant war davon nichts, und genau deshalb war es so ein richtig guter Tag.
Praktische Infos
- Wo: Sophienheilstätte, Adolf-Tegtmeier-Allee, München, Ortsteil von Bad Berka im Weimarer Land, südlich von Weimar
- Hinein nur mit Buchung: spontan geht es nicht. Selbständiges Erkunden ab 10 Euro pro Person (ab 6 Jahren), Führungen ab 16 Euro. Termine auf sophienheilstaette.com
- Parken: bei Veranstaltungen gut geordnet mit Einweisern. Wir haben 3 Euro bezahlt
- Unser Zeitfenster: kurz vor 14 Uhr angekommen, um 17 Uhr schloss oben die Gastro. Drei Stunden reichen für alle Stockwerke, aber nicht für jeden Raum
- Taschenlampe: unbedingt. Im Keller ist es stockdunkel
- Feste Schuhe: Schutt, Stufen, lose Böden
- Mit Kindern: gern, aber an der Hand. Unter dem Dach haben die Böden Löcher
- Betrieb: bei Veranstaltungen sehr viele Menschen. Wer das Gruseln sucht, nimmt besser eine Führung in kleiner Gruppe
- Essen: bei Veranstaltungen Bratwurst und Pommes. Erst Marken kaufen, dann an die Ausgabefenster
Warum wir das auf wasbraucheich.de teilen
Dieses Haus hat Menschen Luft gegeben, als sie kaum noch welche hatten: Arbeitern aus den Fabriken, Soldaten und später Kranken aus der ganzen Region. Heute ist es leer, die Böden haben Löcher, und trotzdem kommen die Menschen zurück, manche, weil sie hier aufgewachsen sind, und manche, weil sie wissen wollen, wie es drinnen aussieht.
Was wir mitgenommen haben, hat nicht viel gekostet: die Stille in einem leeren Zimmer, die Geschichten der Menschen und einen Satz von 1902 über Waldwege, auf denen die Lunge „wie auf Sammet“ ging. Solche Dinge, die nichts kosten und trotzdem viel geben, sammeln wir übrigens auch in unserem Mehrwert.
Genau deshalb teilen wir diesen Beitrag. Allein an diesem einen Wochenende sind wir auf zwei Begegnungsorte gestoßen und haben ein echtes Stück regionaler Geschichte erlebt: die Sophienheilstätte, die heute wieder Menschen zusammenbringt, und Tooby’s, die kleine Rösterei aus Berlstedt, deren Kaffee uns den Abend versüßt hat. Dazu kommt Mandy, die in Weimar neben ihrer Wohnung noch einen Begegnungsort hat: Räume im Altbaustil, total schick gemacht, die man mieten kann. Davon erzählen wir Euch bald mehr.
Im Grunde sind das genau die Dinge, die unsere Seite ausmachen und auch in Zukunft ausmachen sollen: Menschen, die in ihrer Region etwas erhalten, etwas produzieren und den Menschen um sich herum etwas zurückgeben wollen. Genau dafür steht wasbraucheich.de, und genau das bauen wir hier Stück für Stück auf, so wie zuletzt auch am Zirkelstein und an der Kaiserkrone in der Sächsischen Schweiz.
Deshalb unsere herzliche Einladung: Schaut auf der Seite der Sophienheilstätte nach den nächsten Terminen, ob für eine Führung, zum selbständigen Erkunden oder sogar für eine Nacht im Zelt, und probiert unbedingt mal einen frisch gerösteten Kaffee von Tooby’s. An Tooby’s und an die Menschen hinter der Sophienheilstätte sagen wir: Wir würden uns riesig freuen, wenn Ihr Euch bei uns eintragt, damit die Menschen in Eurer Region Euch noch leichter finden.
Wenn Du in Deiner Region ein altes Haus kennst, das so eine Geschichte erzählt, dann schreib uns. Und wenn Du selbst Erinnerungen an die Sophienheilstätte hast, erst recht. Wir sammeln sie, mit Deinem Namen oder ohne.
Was uns sonst noch berührt hat
Echte Erlebnisse, die wir teilen: von uns, aus unserer Gemeinschaft, aus Deiner Nachbarschaft.

Wichtelwald Dippoldiswalde: Kleine Türen an den Bäumen
Ein Bekannter hat uns nur gesagt, wir sollen da mal hingehen, und so standen wir an einem Sonntag in der Dippoldiswalder Heide vor kleinen Türen, Briefkästen und Leitern, die jemand mitten in den Wald gebaut hat.
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Prebischtor und Edmundsklamm: oben die Weite, unten der Kahn
Wir sind erst kurz vor eins in Hřensko angekommen, als die meisten schon wieder vom Prebischtor herunterkamen, und haben genau deshalb den ganzen Tag an keiner einzigen Stelle angestanden.
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Zirkelstein und Kaiserkrone: zwei kleine Berge, ein ganzer Nachmittag
Ganz hinten in der Sächsischen Schweiz haben wir an einem Nachmittag zwei kleine Steine bestiegen, oben Salat aus dem Rucksack gegessen und unseren Lilienstein von einer Seite gesehen, die wir so noch nicht kannten.
WeiterlesenWohin als Nächstes?
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